Das war Tag 6 auf Rügen

am Stand von Rügen

Rügen. Kreideküste. Rasender Roland. Das sind die Dinge, die uns direkt in den Kopf schossen, als wir Rügen ins Visier nahmen. Und der Gedanke, dass es bestimmt am Strand sehr sonnig ist. Voller Urlauber, die die Schönheit der Küste genießen (die man übrigens im Namen der Wissenschaft dringend fotografieren sollte. Hier ein Artikel darüber). Das Wetter hat uns allerdings ein bisschen mehr Flexibilität abgefordert, als wir zunächst dachten. Und um es kurz zu machen: in den rasenden Roland – die rügensche Bäderbahn – haben wir es deswegen auch nicht geschafft. Es gab aber auch so mehr als genug zu erleben:

Unsere Anfahrt mit der Bahn bis ins Ostseebad nach Binz lief sehr gut. Das kann man nicht von jedem unserer Tourtage behaupten, siehe Tag 4 in Berlin. Vor Ort wurden wir von einer gierigen Möwe begrüßt, die es auf unsere mitgebrachten Brote abgesehen hatte, aber ergebnislos abziehen musste. Nach dem tierischen Begrüßungskommitee ging es direkt an den Strand.

Strand statt Kneipe ist eine interessante Herausforderung, weil sich die Menschen, zumindest an diesem Tag, sehr gut verstreut hatten. Wir geben dem Wetter die Schuld, bei Sonnenschein wären die Strandkörbe sicher voll gewesen. Wir müssen wohl irgendwann einen anderen Versuch zum Thema Strand starten. Der Dugong hat uns dann rausgerissen, da er auch am Strand eine gute Figur macht. André hat ihn irgendwie bequatscht oder so…

Zwei männliche Teammitglieder am Strand – oder: André bequatscht den Dugong 😉

Auf jeden Fall hat er einen Mann aus dem Wasser gelockt, der uns gleich seinen Freunden vorgestellt hat. Die zugehörigen Damen waren noch in der Stadt unterwegs, wurden aber einfach in Abwesenheit mit Material versorgt, nachdem wir unsere ersten Experimente zum Hören unter Wasser und eine Erstversorgung mit Algen am Strand vorgenommen haben. Für sie, die abwesenden Pädagogen in der Gruppe, ließen wir auf Anraten der Männer Forscherhefte für Kinder zum Thema Meere und Ozeane und Quartettkarten mit Meerestieren da. Beides könnt ihr euch auch kostenlos bestellen. Die Hefte hier und das Quartett hier (Bestellformular PDF). Die Herren waren supernett, kamen aus Berlin, so dass wir ihnen die Antarktis-Forscher auf dem Tempelhofer Feld als Besuchstipp gegeben haben (am 1.7.!!!) und sie haben uns im Gegenzug unsere erste Frage mit Meeresrauschen im Hintergrund!  beschert: Woher kommt das Salz aus dem Meer? Wir sind dran, Männer!

Drei Männer am Strand mit Schild: Woher kommt das Salz im Meer?
Eure Frage an uns direkt vom Strand: Woher kommt das Salz im Meer?

Kurz nachdem wir die Gruppe verlassen hatten, fingen wir die ersten Regentropfen auf. Aber das Glück war auf unserer Seite: eine Strandbar MIT Sonnen- ähhh Regenschirmen. Und netten Urlaubern. Das kurze Zwischenspiel währte nicht lang, denn wir wollten mehr Sand unter den Füßen und Flossen und ein bisschen mehr Brandung. Gedacht, getan, wanderten wir am Wasser in Richtung Seebrücke und fanden Kinder, die nach Quallen fischten. Der Dugong wollte wissen, ob schon was ins Netz gegangen war und ein leicht enttäuschtes “Nein…” des Jungen brachte die Mutter, die nicht knietief im Wasser, sondern neben uns am Strand stand, mit uns ins Gespräch. Auch für sie gab es das Quartett-Spiel und auf ein Mal quitschte der junge Mann mit dem Kescher fröhlich auf. Er hatte was im Netz. Und natürlich konnte Julia sofort und sehr praktisch mit der Erstdiagnose aushelfen: Garnele! Wir nannten sie Henri und Inga kramte aus ihrer magischen Tasche (die sieht klein aus, aber irgendwie steckt darin Material für die Ewigkeit…) unsere Becherlupe aus dem “Mein mobiles Küstenlabor”-Set. Das Set könnt ihr euch übrigens kostenlos an ganz vielen Orten (eine Liste gibt es hier) abholen. Es enthält einen kleinen Kescher und eine Becherlupe in einer praktischen Tragetasche. Aber zurück zu Henri: Er war der Star unter der Lupe!

Garnele in Becherlupe
Henri, unsere “Gast-Garnele” – der heimliche Star des Nachmittags

Wir haben ihn kurzfristig adoptiert, was sich sehr bezahlt machte, als der Regen immer stärker wurde und wir unter Bäumen Unterschlupf finden mussten. Denn dort sammelten sich nach und nach Kinder und Erwachsene, die den kleinen Henri ebenfalls bewunderten und interessiert unseren Infos lauschten. Der Regen wurde stärker und wir stärkten uns daraufhin (Pausen wollen genutzt sein…) im Café, natürlich nicht ohne weiterhin die Umgebung mit Informationen und Experimenten zu versorgen. Henri wurde wieder in die Wildnis entlassen und wir wanderten danach stadteinwärts. Dem Regen entgegen… Aber dort, hatten wir gehört, gibt es einen Akardengang. Der stellte sich als hervorragendes Betätigungsfeld für uns heraus. Allen voran der Charmeur der Truppe – Dilhan, der Dugong – der soooooo niedlich war, dass wir ihn direkt zur Adoption freigeben hätten können. Glücklicherweise gab es keine Kidnapping-Fälle, denn unsere Geschichten, Experimente und Veranstaltungstipps haben ausreichend von ihm abgelenkt. Abgesehen davon, dass er mal wieder den letzten Knutscher haben musste… 😉

André, Inga und der Dugong
Regencape für den Dugong – ein Ausnahmefall, in dem Plastik für ein Meerestier mal Sinn macht

Das Schönste war eigentlich, dass wir uns zunächst mit einer Familie aus Florida unterhielten, die uns Manati-Bilder versprachen. Danach lief es wie geschmiert und wir kamen schnell mit der nächsten Familie ins Gespräch. Sie waren alle mutig und haben die übliche Kettenreaktion ausgelöst: “Hej, das musst du unbedingt auch mal ausprobieren!” – und schon standen auch die übrigen Gäste, die uns interessiert aber zunächst reserviert beobachtet hatten, Schlange, um das Hörexperiment zu machen. Ganz besonders hat uns ein älterer Herr beeindruckt, der etwas weiter entfernt saß und sich nicht beteiligte. Aber aus den Augenwinkeln haben wir ein interessiertes Zuhören erkennen können. Als wir gehen wollten sagte er: “Bitte geben Sie mir auch mehr Informationen! Ich finde es ganz toll, was sie machen und ich glaube, es wäre genau das Richtige für meinen Enkel.” Was für wunderbare Menschen wir doch kennenlernen dürfen! Nachdem der Arkaden-Gang komplett “bespielt” war und alle ihre Infos hatten, haben wir uns wieder “ins Wetter” gewagt. Und sind sofort von zwei Urlaubern abgefangen und in ein Gespräch verwickelt worden. Das endete erst, als der Soundcheck auf einer Bühne neben uns eine normale Unterhaltung zunehmend verhinderte. Unter der nächsten regengeschützten Markise ging es weiter und auch dort gesellten sich spontan Spaziergänger zu uns, die neugierig geworden waren. Unser Fazit für Rügen: die Menschen sind neugierig und total interessiert. Und sie kommen auf uns zu, um sich ihre Infos zu holen. Das waren alles sehr schöne Begegnungen. Wir haben dann irgendwann wegen Dauerregen aufgegeben und sind zurück nach Stralsund gefahren. Das dortige Kneipenpublikum wartete schon. Und die empfohlene Seemannskneipe, in die wir es an Tag 5 nicht geschafft hatten.

Erste Tauchtiefe

Text: CC-BY-SA 4.0, Inga Marie Ramcke für Plötzlich Wissen!

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