Eine Frage von euch: Wann verschwinden die Niederlande bei der aktuellen Klimaerwärmung im Meer?

Frage "Wann verschwinden die Niederlande bei der aktuellen Klimaerwärmung im Meer?"

"Wann verschwinden die Niederlande bei der aktuellen Klimaerwärmung im Meer?"

Hier die Beantwortung einer Frage die uns bei unserer Tour durch Mainz gestellt wurde (Bericht aus Mainz: hier): “Wann verschwinden die Niederlande bei der aktuellen Klimaerwärmung im Meer?”.

Zur Beantwortung schaute ich als erstes auf Wikipedia, was denn nochmal genau die Niederlande sind, und stieß auf etwas Interessantes: die Niederlande sind eines von vier Ländern im Königreich der Niederlande. Neben den Niederlanden selbst, das Land in Europa, begrenzt von der Nordsee, Belgien und Deutschland, gehören zum Königreich der Niederlande noch Bonaire, Sint Eustatius und Saba. Bei den letzten dreien handelt es sich um Inseln in der Karibik.

Übersichtkarte Königreich der Niederlande
Karte der politischen Gliederung des Königreichs der Niederlande, CC BY-SA 3.0, von TUBS, (Link zum Bild).

Die Antwort

Egal ob es um das Königreich der Niederlande oder “nur” um unseren europäischen Nachbarn im Nord-Westen geht: In absehbarer Zeit wird davon nichts im Meer versinken. Das liegt nicht daran, dass der Meeresspiegel nicht steigt – das tut er – sondern es liegt daran, dass das Königreich der Niederlande wohlhabend ist. Es wird viel Geld in den Küstenschutz investiert, besonders hier in Europa, in den Niederlanden an der Nordseeküste. Auch wenn die Karibik verlockend ist, werde ich mich im Rest der Antwort immer auf das Land “Niederlande” in Europa beziehen.

Rund ein Viertel der Fläche der Niederlande liegt unterhalb des Meeresspiegels. Teile der Niederlande wurden durch Landgewinnung dem Meere abgerungen, quasi “trocken gelegt”. Daher spielt der Küstenschutz in den Niederlanden eine große Rolle. Nicht nur sind die Küsten von Deichen geschützt, es existieren auch Deltawerke, die bei Sturmfluten geschlossen werden können und vor Überflutung schützen und in der Küstenregion betreiben die Niederlande immer wieder Sandvorspülungen.

Sandvorspülung Rainbow-Verfahren
Sandvorspülung mit Hilfe des Rainbow-Verfahrens. Aufgrund mangelnder Tiefe kann das Saugbaggerschiff seine Bodenluken nicht öffenen, um den Sand zu platzieren. Daher wird der Sand vermischt mit Wasser an die Zielstelle gepumpt. Der entstehende Bogen (Regenbogen) führte zur Namensgebung des Verfahrens. Hier: “Waterway”, 2010 vor der westfriesischen Insel Ameland. CC BY-SA 3.0, O! (Link zum Bild).

Das Verfahren der Sandvorspülung ist gerade in der Nordsee weit verbreitet, stellt einen effektiven Schutz der Küste dar, ist aber  recht kostenintensiv. Ein Saugbaggerschiff nimmt draußen, vor der Küste, Sand vom Meeresgrund auf und transportiert ihn in Küstennähe. Entweder werden dann Rohrleitungen vom Schiff zum Strand verlegt, um Material direkt am Strand zu verteilen, oder es wird Vorlandaufspülung betrieben. Bei letzterer kann das Schiff entweder durch Luken im Rumpf den Sand unter sich ablassen, meistens einige hundert Meter vor der Küste, oder der Sand wird mit Hilfe einer Fontäne an die gewünschte Stelle gespritzt. Das nennt man dann auch Rainbow-Verfahren, wie man im Bild rechts erkennen kann. Nicht nur die Niederlande betreiben Sandvorspülung, besonders bei den deutschen Inseln Norderney und Sylt kommt das Verfahren zum Einsatz. Gerade für Sylt ist dies besonders wichtig. Die Insel “verliert” jedes Jahr rund eine Million Kubikmeter Sand an seinen Küsten.

Wer noch mehr über den steigenden Meeresspiegel erfahren will, dem möchte ich ganz besonders den Meeresatlas der Heinrich-Böll-Stiftung ans Herz legen. Dort gibt es einen tollen Artikel über die Herausforderungen eines steigenden Meeresspiegels (hier) und jede Menge andere, lesenswerte Artikel, die sich mit Meeren und Ozeanen befassen. Alle Materialien des Meeresatlas, genau wie unsere Artikel unter Aus der Kneipe und Meer Wissen, stehen unter einer Creative Commons Lizenz und können direkt ohne Einschränkungen im Unterricht an Schulen benutzt werden. Daher möchte ich jedem Lehrer ausdrücklich sagen: bitte bedient euch! Bei uns und beim Meeresatlas (und gerne auch weitersagen).

Erste Tauchtiefe

Zweite Tauchtiefe

Text: CC-BY-SA 4.0, Dr. André Lampe für Plötzlich Wissen!

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